EX-IN Fachtag in Karlsruhe: Ein Raum der Wertschätzung und des Miteinanders
Ein persönlicher Rückblick – Chris Kerbeck
Ich fühlte mich vom ersten Moment an sehr wohl in Karlsruhe. Das lag vor allem am hervorragenden Organisationsteam, dessen Aufmerksamkeit und Gastlichkeit man in jedem Detail gespürt hat. Besonders berührt hat mich das Verteilen von Handfächern an alle Teilnehmenden (bei 40 Grad Hitze). Eine kleine Geste, die so viel Wertschätzung ausstrahlte. Es sind oft die kleinen Dinge, die zeigen, dass man willkommen und gesehen ist.
Trotz allem dabei: Meine Teilnahme unter besonderen Umständen
Dass ich überhaupt an der Tagung teilnehmen konnte, war für mich keine Selbstverständlichkeit. Körperlich und psychisch angeschlagen, hat mich die Energie und das Entgegenkommen des Teams getragen. Das ist für mich gelebtes EX-IN: Man muss nicht perfekt sein, um dazuzugehören. Man ist mit seinen Grenzen willkommen. Präsenz zählt oft mehr als Leistung.
Catharinas Theaterstück: Vorbilder mit Ecken und Kanten
Ein besonderer Moment war Catharina Fladers (altes und neues Vorstandsmitglied von EX-IN Deutschland) Theaterstück, in dem sie von ihren eigenen Anfängen erzählte. Sie, die für mich EX-IN Deutschland verkörpert – stark, selbstbewusst, eine Vorbildfigur – zeigte sich verletzlich und ehrlich. Sie sprach darüber, wie sie vor der Ausbildung nicht mit der Bahn fahren konnte, nicht in Hotels übernachten konnte und wie sie sich trotzdem durchgekämpft hat.
Das hat mich berührt. Denn das ist auch meine Geschichte. Es hat mir Mut gemacht, denn auch Vorbilder haben ihre Kämpfe. Dass sie ihre Schwächen nicht versteckt, sondern sie als Teil ihres Weges zeigt, war befreiend. Plötzlich war klar: Wir alle – ob Anfänger:in oder alte Hasen – haben diese Momente der Unsicherheit. Und genau das verbindet uns.
Diese persönlichen Geschichten haben den Fachtag zu einer perfekten Mischung aus Professionalität und Menschlichkeit gemacht.
Beeindruckende Einblicke: Genesungsbegleitung in der Praxis
Besonders beindruckt haben mich die Vorträge der EX-IN-Genesungsbegleiter:innen, die von ihrer Arbeit erzählt haben. Vor allem Sabine, die in der Forensik arbeitet, hat gezeigt, wie sehr sie sich für ihre Klient:innen einsetzt. Sie sieht und wertschätzt das Menschliche in ihnen und freut sich mit den Erfolgen ihrer Klient:innen. So sieht Empowerment-Arbeit aus: Nicht über, sondern mit den Menschen.
Die EX-IN-Akademie: Ein Schritt in die Zukunft
Im Workshop zur EX-IN-Akademie wurde klar: Es gibt noch viele offene Fragen, aber es gab auch bereits viele Angebote, um diese zu beantworten. Und ich persönlich bin der Meinung, vielleicht ist jetzt einfach die Zeit, einen Neuanfang zu wagen, „Learning by Doing“.
Die Akademie ist ein großer Schritt für EX-IN, denn sie gibt uns ein offizielles Standing; z. B. durch die AZAV-Zertifizierung (Anerkennung als Träger nach dem Recht der Arbeitsförderung; Kurse können dadurch über Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit gefördert werden). Das ist gerade heute wichtig, um von Arbeitgebern, Kostenträgern und der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden.
Über die Akademie ist auch eine bessere Einbindung von Profis möglich. Wir können die Arbeit der EX-IN-Genesungsbegleiter:innen bekannter machen. Die Tandems in den Kursen können zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen EX-IN-Genesungsbegleiter:innen und Fachleuten gelingen kann. Die Akademie kann der Raum sein, in dem man gemeinsam über die Implementierung von EX-IN spricht. Sie ist ein Meilenstein – für uns als EX-IN-Genesungsbegleiter:innen und für die Anerkennung unserer Arbeit.
Begegnungen und Gemeinschaft: EX-IN Bayern vor Ort
Solche Fachtagungen sind immer eine gute Gelegenheit, Kolleg:innen aus Bayern zu treffen. In diesem Jahr waren wir eine kleine Gruppe von vier oder fünf Leuten, darunter Mario aus dem Vorstand von EX-IN Bayern, EX-IN-Angehörigen-Genesungsbegleiterin Katia und zwei-drei weitere Mitglieder von EX-IN Bayern. Immer wieder schön, wenn man sich nicht nur online, sondern auch persönlich trifft.
Dabei bin ich an diesem Wochenende nicht viel auf Menschen zugegangen. Meine sozialen Akkus waren leer, und ich fühlte mich sicherer, nur zu beobachten.
Für mich persönlich war die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, mir klar zu machen, wie wichtig es ist, meine Grenzen einzuhalten – und dass das keineswegs bedeutet, weniger wert zu sein.
Ich habe nicht groß genetzwerkt oder mit jedem gesprochen. Aber ich war da und noch wichtiger, ich habe viel mitgebracht. Vielleicht nicht auf die klassische Art, aber auf meine Weise. Es ist ein Beweis dafür, dass EX-IN Raum für alle bietet – auch für die, die anders funktionieren.
Mein Fazit: Warum dieser Fachtag wichtig war
Der Fachtag in Karlsruhe hat mir nochmal vor Augen geführt, was EX-IN ausmacht:
- Wertschätzung (von den Fächern bis zur Moderation).
- Ehrlichkeit (wie bei Catharinas Theaterstück).
- Gemeinschaft (das Miteinander, das Tragen, das Verstehen).
- Zukunft (die EX-IN-Akademie als nächster Schritt).
EX-IN ist nicht nur eine Methode – es ist eine Haltung. Und dieser Fachtag war ein perfektes Beispiel dafür.
Mitgliedsversammlung EX-IN Deutschland
Und dann war da noch die Mitgliedsversammlung von EX-IN Deutschland am Donnerstag vor der zweitägigen Jahrestagung. Viel ist nicht hängen geblieben – aber eines ist klar: Wir haben einen neuen Vorstand! Sabine, Nicole, Lilly und Catharina werden für die nächsten zwei Jahre die Geschicke des Vereins lenken. Herzlichen Glückwunsch – auch im Namen von EX-IN Bayern und auf eine gute Zusammenarbeit!